cresc...Images of Sound

Musik und Film Helmut Lachen­mann 8O

Film und Musik sind miteinander verwoben, obwohl die Ausprägung der jeweiligen Ausdrucksform auf sehr unterschiedlichen Voraussetzungen fußt. War die Tonkunst bei ihrer Entstehung mit archaischen Dimensionen verbunden und von natürlichen Phänomenen wie dem Zwitschern der Vögel inspiriert, so ist der Film ein Kind der frühen »Moderne« und der fortschreitenden technischen Innovation. Seit der Geburtsstunde des Films nahm die Musik erheblichen Einfluss auf ihn – im Stummfilm als Begleitmedium und akustisches Pendant zum Leinwandgeschehen und im Tonfilm zur akustischen Illustration und emotionalen Verdichtung oder Überhöhung, wobei die Klänge gelegentlich eigenständige schöpferische Qualitäten zu entfalten vermögen. Das Verhältnis zwischen Neuer Musik und Film spielte, abgesehen von singulären Highlights wie Stanley Kubricks ›2001: Odyssee im Weltraum‹ mit der Musik von u.a. György Ligeti bislang eine Nebenrolle. Dies beruht nicht zuletzt darauf, dass der Film in erster Linie ein kommerziell ausgerichtetes Medium ist, während sich die Neue Musik gegenüber gängigen Marktmechanismen samt Werbung und Massenkonsum zumindest sperrig verhält. Künstlerisch können die Beziehungen jedoch extrem reizvoll sein. Wie spannungsgeladen und facettenreich dieses Wechselspiel von Musik und Film sein kann, zeigt das Festival ›cresc... Biennale für Moderne Musik Frankfurt Rhein Main‹ vom 26. bis 29. November 2015 unter dem Motto ›Images of Sound‹.


Höhepunkte sind u.a. mit dem hr-Sinfonieorchester das Eröffnungskonzert in der Alten Oper Frankfurt mit dem Meisterwerk von Stanley Kubrick ›2001: Odyssee im Weltraum‹ und mit dem Ensemble Modern das Abschlusskonzert im Frankfurt LAB mit Uraufführungen audiovisueller Werke von Simon Steen-Andersen und Michael Beil. Dazu werden vier Uraufführungen intermedialer Musikfilmwerke junger Komponisten und Filmemacher unter dem Namen ›Quadruplets‹ zur Aufführung gebracht.


Als weiteren Schwerpunkt würdigt das Festival in mehreren Konzerten der beiden profilierten Klangkörper den Komponisten Helmut Lachenmann zum 80. Geburtstag. Neben groß besetzen Schlüsselwerken erklingt eine Uraufführung des Komponisten. Die Verknüpfung des Themenkomplexes ›Musik und Film‹ mit ›Helmut Lachenmann 80‹ scheint auf den ersten Blick gewagt, da sich Lachenmanns Tonsprache funktionalen Kriterien, wie sie für Filmmusik charakteristisch sind, entschieden zu entziehen scheint. Indes, so abstrakt das von ihm selbst generierte »instrumentalkonkrete Klangkomponieren« (»musique concrète instrumentale«) mit stark ins Geräuschhaft-Experimentelle vordringender Klanglichkeit auch anmutet, es hält die Balance mit intensivstem Nachspüren seelischer Tiefendimensionen, was auch »Bilder« vor das geistige Auge treten lässt. In diesem Kontext ergeben sich auf höherer Ebene sehr wohl Korrespondenzen zwischen Bild und Ton, die dem diesjährigen cresc... Festival eindringliche Spannung verleihen.

Idee

Die Metropolregion Frankfurt Rhein-Main gehört nicht nur zu den wichtigsten Wirtschaftszentren Europas, sondern mit ihrer Vielfalt hervorragender Kulturangebote zugleich zu den bedeutendsten europäischen Kulturregionen. Auch im Sektor der Neuen Musik hat das Rhein-Main-Gebiet eine reiche Tradition und besitzt enorme Vitalität.


In dem biennalen Festival  cresc... bündeln hochklassige Kulturinstitutionen der Region, mitinitiiert und ermöglicht durch den Kulturfonds Frankfurt RheinMain, ihre Kräfte:  cresc... versteht sich als maßgebliches Forum für Moderne Musik. Von Schlüsselwerken des 20. und 21. Jahrhunderts bis hin zu Uraufführungen junger Komponisten stellt es alle zwei Jahre ein breites Spektrum verschiedener künstlerischer Ansätze, Positionen und Perspektiven der Auseinandersetzung mit der Gegenwart vor. Mit den profilierten Klangkörpern Ensemble Modern und hr-Sinfonieorchester als tragende Säulen sowie hochkarätigen Gastensembles reiht sich  cresc... in die Riege internationaler Festivals ein.


 ›cresc...Biennale für Moderne Musik Frankfurt Rhein Main‹ ist ein Festival von Ensemble Modern und hr-Sinfonieorchester in Kooperation mit dem Internationalen Musikinstitut Darmstadt (IMD) und der Alten Oper Frankfurt


In Zusammenarbeit mit Deutsches Filmmuseum, Filmakademie Baden-Württemberg, Frankfurter Bürgerstiftung, Institut für zeitgenössische Musik der HfMDK Frankfurt am Main, Internationale Ensemble Modern Akademie, Kulturamt Wiesbaden Caligari FilmBühne, Museum Wiesbaden, Staatstheater Darmstadt, Staatstheater Wiesbaden, Stadt Hanau und Stadt Rüsselsheim.
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